Wasserstoffperoxidhaltige Zahnbleichmittel

Eine Zusammenfassung des „Gutachtens zu Wasserstoffperoxid in Zahnbleichmitteln", einem Bericht des Wissenschaftlichen Ausschusses "Konsumgüter" (SCCP) der Europäischen Kommission von 2005. GreenFacts hat diese Zusammenfassung im Auftrag der Generaldirektion "Gesundheit und Verbraucherschutz" der Europäischen Kommission erstellt, welche die Veröffentlichung der Zusammenfassung freigegeben hat.

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Zahnbleichmittel Startseite

Kontext - Bis heute wurden weltweit mehrere Millionen Sets zum Bleichen der Zähne (auch Bleaching genannt) an Verbraucher verkauft, die sich ein strahlendes Lächeln wünschen.

Zahnbleichmittel können direkt in Form von Gels aufgetragen werden oder mit Hilfe von Bleichstrips oder maßgefertigten Schienen. Das Bleichen erfolgt entweder in der Zahnarztpraxis oder zu Hause. Diese Mittel enthalten den Bleichstoff Wasserstoffperoxid. Allgemein gilt, dass der Aufhellungseffekt umso größer ist, je mehr Wasserstoffperoxid verwendet wird und je länger es einwirkt.

Ist die Sicherheit von Zahnbleichmitteln mit bis zu 6% Wasserstoffperoxid gewährleistet? Sollten sie für Verbraucher frei erhältlich sein?

Eine Bewertung des Wissenschaftlichen Ausschusses „Konsumgüter“ der Europäischen Kommission (Scientific Commission on Consumer Products, SCCP).

Zusammenfassung zu Zahnbleichmitteln

1. Was ist Wasserstoffperoxid und wofür wird es genutzt?

Wasserstoffperoxid wird als Bleichstoff in Zahnbleichmitteln und manchen Zahnpasten verwendet.
Wasserstoffperoxid wird als Bleichstoff in Zahnbleichmitteln und manchen Zahnpasten verwendet. Quelle: Micro Application

Wasserstoffperoxid ist eine hoch reaktionsfreudige Substanz, die aus Wasserstoff und Sauerstoff besteht. Sie wird hauptsächlich zur Herstellung anderer Chemikalien und zum Bleichen von Papier und Textilien genutzt. Darüber hinaus wird hoch verdünntes Wasserstoffperoxid zur Desinfektion von Kontaktlinsen verwendet.

Carbamidperoxid wird aus Wasserstoffperoxid und Harnstoff hergestellt.

Sowohl Wasserstoffperoxid als auch Carbamidoxid werden zu kosmetischen Zwecken verwendet, hauptsächlich als Bleichstoffe in Zahnpflegeprodukten wie Zahnpasten und Zahnbleichmittel, aber auch in Haarpflegeprodukten. Sie werden medizinisch auch als Desinfektionsmittel genutzt, zum Beispiel in Produkten zur Behandlung von Aphthen sowie in Mundspülungen und Ohrentropfen.

In der Europäischen Union fallen Kosmetika unter die Kosmetikrichtlinie.

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2. Welche gesundheitlichen Auswirkungen von Wasserstoffperoxid sind bisher beobachtet worden?

Die Anwendung von wasserstoffhaltigen Lösungen zur Desinfektion von Kontaktlinsen kann zu Augenirritationen führen
Die Anwendung von wasserstoffhaltigen Lösungen zur Desinfektion von Kontaktlinsen kann zu Augenirritationen führen
Quelle: Wikipedia

2.1 Das Verschlucken einer großen Menge Wasserstoffperoxid kann zum Tod führen. Mehr auf der Europa Webseite... [en]

2.2 Hoch verdünnte Wasserstoffperoxidlösungen sind nicht oder nur wenig reizend. Allerdings haben Tierversuche gezeigt, dass Wasserstoffperoxid bei Überschreitung bestimmter Konzentrationen zu Reizungen der Augen, der Haut, des Mundraums, Magens und Darms führen kann. Der Gebrauch von wasserstoffperoxidhaltigen Augentropfen und Kontaktlinsenspülflüssigkeiten kann die Augen reizen.
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2.3 Mundspülungen mit geringem Wasserstoffperoxidgehalt, die ein bis zwei Mal täglich benutzt werden, sind vermutlich unschädlich für den Mundraum, auch bei Langzeitgebrauch. Im Gegenteil, sie können die Gesundheit des Zahnfleisches sogar verbessern. Mundspülungen mit höherem Wasserstoffperoxidgehalt oder eine häufigere Nutzung können jedoch Reizungen im Mundraum verursachen.
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2.4 Wasserstoffperoxid kann schwach krebsfördernd wirken, was bedeutet, dass es Wachstum und Vermehrung von Krebszellen geringfügig stimulieren kann. Für eine Bewertung des Einflusses von Wasserstoffperoxid auf Fortpflanzung und Entwicklung reichen die verfügbaren Daten nicht aus. Mehr auf der Europa Webseite... [en]

2.5 Personen mit bestimmten genetischen Veranlagungen reagieren empfindlicher auf Wasserstoffperoxid, da dessen Abbau im Körper gestört ist.
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3. Wie wird Wasserstoffperoxid zum Zähnebleichen genutzt?

Zahnbleichmittel können mit Hilfe von individuell angepassten Schienen auf die Zähne aufgetragen werden
Zahnbleichmittel können
mit Hilfe von individuell angepassten
Schienen auf die Zähne aufgetragen werden
Quelle: GreenFacts

Zahnbleichmittel können zu Hause auf drei unterschiedliche Weisen aufgetragen werden: in Form von Streifen, die auf die Zahnfront geklebt werden, mit Hilfe von individuell angepassten Schienen, die an die Zähne gedrückt werden oder in Form von Gel, das direkt auf die Zähne aufgetragen wird.

Zahnbleichmittel enthalten Wasserstoffperoxid oder Carbamidperoxid als aufhellenden Wirkstoff. Peroxide dringen in den Zahn ein und reagieren mit den zahnverfärbenden Molekülen. Allgemein gilt: je höher der Wasserstoffperoxidgehalt, desto größer der Aufhellungseffekt.

Je nach Wasserstoffperoxidgehalt sind Sets für die Zahnaufhellung entweder zum Hausgebrauch frei auf dem Markt beziehungsweise beim Zahnarzt erhältlich oder werden ausschließlich vom Zahnarzt in der Praxis angewandt. In der Europäischen Union dürfen Mund- und Zahnpflegeprodukte nur dann frei verkauft werden, wenn sie nicht mehr als 0,1% Wasserstoffperoxid enthalten. In den USA hingegen sind Sets für die Zahnaufhellung mit einer höheren Wasserstoffperoxidkonzentration auf dem Markt erhältlich. In Europa müssen Wasserstoffperoxidlösungen mit einem Gehalt zwischen 5 und 20% als „Schädlich für die Augen und hautreizend“ gekennzeichnet sein.

Die Behandlungsdauer hängt von dem Grad der Verfärbung und dem benutzten Produkt ab. Sie variiert von Kurzzeitbehandlungen in der Zahnarztpraxis bis hin zu Behandlungen zu Hause, die einige Minuten oder Stunden am Tag dauern und an mehreren Tagen wiederholt werden.

Auch manche Zahnpasten enthalten kleine Mengen an Wasserstoffperoxid.

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4. Welcher Wasserstoffperoxidmenge ist man während einer Behandlung mit Zahnbleichmitteln ausgesetzt?

Während der Aufhellungsbehandlung nimmt die Wasserstoffperoxidkonzentration auf dem Zahnfleisch rasch ab
Während der Aufhellungsbehandlung nimmt die Wasserstoff-
peroxidkonzentration auf dem Zahnfleisch rasch ab
Quelle: GreenFacts

Wie viel Wasserstoffperoxid während des Bleichens in den Speichel gelangt, hängt hauptsächlich vom Wasserstoffperoxidgehalt und der Art des benutzten Mittels und nur teilweise von der sekretierten Speichelmenge ab.

Während der Aufhellungsbehandlung nimmt die Wasserstoffperoxidkonzentration auf dem Zahnfleisch und im Speichel rasch ab, da Wasserstoffperoxid schnell abgebaut wird.

Es wird geschätzt, dass bis zu 25% des beim Bleichen der Zähne angewendeten Wasserstoffperoxids geschluckt werden.

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5. Können wasserstoffperoxidhaltige Zahnpflegeprodukte den Zähnen schaden?

5.1 Zahnpasten mit geringem Wasserstoffperoxidgehalt haben nicht mehr Nebenwirkungen als normale Zahnpasten.

Für Bleichmittel mit höherem Wasserstoffperoxidgehalt sind Reizungen des Mundraumes und erhöhte Empfindlichkeit der Zähne auf Temperaturwechsel die beiden gängigsten Nebenwirkungen. Beide sind jedoch vorübergehender Natur. Mehr auf der Europa Webseite... [en]

Den meisten Studien zufolge wird der Zahnschmelz durch das Bleichen nicht geschädigt
Den meisten Studien zufolge wird der Zahnschmelz durch das Bleichen nicht geschädigt
Quelle: Wikipedia

5.2 Wasserstoffperoxid durchdringt den Zahnschmelz recht leicht. Den meisten Studien zufolge wird der Zahnschmelz durch das Bleichen nicht geschädigt. In einigen Untersuchungen wurde jedoch darüber berichtet, dass beim Bleichen die Zahnoberfläche beschädigt, und der Zahnschmelz poröser werden kann, was zu Kerben, Kratzern und Mineralverlust in der Zahnsubstanz führt. Mehr auf der Europa Webseite... [en]

5.3 Nachdem Wasserstoffperoxid den Zahnschmelz durchdrungen hat, gelangt es in das Zahnbein und in die Zahnpulpa. In manchen Fällen verursachen Bleichmittel leichte Entzündungen der Zahnpulpa. Die Zahnpulpa gesunder Zähne ist im Allgemeinen hiervon nicht betroffen, vermutlich deshalb, weil der Wasserstoffperoxidgehalt für eine Schädigung nicht ausreicht. Mehr auf der Europa Webseite... [en]

5.4 Das Zähnebleichen hat gewöhnlich keinen Einfluss auf die Farbe von Füllungen und anderen Zahnersatzmaterialien. Weder Keramikmaterialien noch Zahngold werden angegriffen. Ein geringfügiger Einfluss auf Kunststofffüllungen, Zahnzemente und Amalgamfüllungen ist möglich. Mehr auf der Europa Webseite... [en]

6. Was sollte vor einer Behandlung mit Zahnbleichmitteln beachtet werden?

Vor einer Aufhellungsbehandlung sollte ein Zahnarzt zu Rate gezogen werden
Vor einer Aufhellungsbehandlung sollte ein Zahnarzt zu Rate gezogen werden
Quelle:
Micro Application

Ab einer Wasserstoffperoxidkonzentration von 0,1% ist das Zähnebleichen mehr als nur eine einfache kosmetische Anwendung. Es ist wichtig, dass der Zahnarzt die Ursache der Zahnverfärbungen feststellt, beurteilt, ob die Verfärbungen beseitigt werden können, auf mögliche gesundheitliche Probleme im Mundraum achtet und die Patienten über die beste Vorgehensweise bei diesem ästhetischen Problem berät.

Wie bereits oben erwähnt, sind erhöhte Zahnempfindlichkeit und Reizungen im Mundraum häufige unerwünschte Nebenwirkungen einer Behandlung mit Zahnbleichmitteln. Solche Nebenwirkungen verschwinden im Normalfall innerhalb von wenigen Tagen. Die Oberfläche von Füllungen und anderen Zahnersatzmaterialien kann angegriffen werden.

Wasserstoffperoxid kann schwach krebsfördernd wirken, was bedeutet, dass es Wachstum und Vermehrung von Krebs geringfügig stimulieren kann. Tabakkonsum, Alkoholmissbrauch und bestimmte genetische Veranlagungen erhöhen das Risiko Krebs im Mundraum zu entwickeln. Wasserstoffperoxid kann daher dieses Risiko weiter erhöhen, insbesondere bei wiederholter Anwendung. Dies kann insofern von Bedeutung sein, da Raucher eher dazu neigen, eine Zahnbleichbehandlung durchzuführen. Personen mit bereits bestehenden Krankheiten im Mundbereich sind möglicherweise einem größeren Risiko ausgesetzt.

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7. Welche Kommentare wurden zu der vorliegenden Bewertung geäußert?

Interessierte Parteien wurden aufgefordert, die Ergebnisse dieser Bewertung des Wissenschaftlichen Ausschusses „Konsumgüter“ der Europäischen Kommission (SCCP) zu kommentieren. Die meisten Kommentare betrafen die Verfügbarkeit von Zahnbleichmitteln und deren mögliche schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit.

In etwa der Hälfte der Kommentare, insbesondere seitens der Verbraucherschutzorganisationen und von Beschäftigten im Gesundheitswesen, wurde die Meinung vertreten, dass Zahnbleichmittel erst nach Rücksprache mit einem Zahnarzt benutzt werden sollten.

Die Kosmetikindustrie und ihre Verbände versicherten, dass die Produkte sicher sind und daher in der Europäischen Union frei verfügbar sein sollten.

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8. Schlussfolgerungen zur Frage: Ist die Sicherheit von Zahnbleichmittenl mit bis zu 6% Wasserstoffperoxid gewährleistet und sollten sie frei verkäuflich sein?

In seinen Schlussfolgerungen vertrat der Wissenschaftliche Ausschuss für Konsumgüter der Europäischen Kommission (SCCP) folgende Ansichten:

  • Der Gebrauch von Zahnbleichmitteln mit einem Gehalt von bis zu 0,1% Wasserstoffperoxid ist sicher.
  • Vorbehaltlich der Zustimmung eines Zahnarztes wird auch der sachgemäße Gebrauch von Zahnbleichmitteln mit einem Gehalt von 0,1 bis 6,0% Wasserstoffperoxid als sicher angesehen. Allerdings werden diese Mittel nicht als ausreichend sicher für einen freien Verkauf und freien Gebrauch angesehen, da mögliche gesundheitsschädigende Wirkungen im Mundbereich bisher noch nicht ausreichend untersucht worden sind1 und da für jeden einzelnen Anwender die individuellen Umstände vor einer Behandlung zu berücksichtigen sind.

1Bitte lesen Sie den Leitfaden des SCCP für epidemiologische und klinische Studien zu Zahnbleichmitteln” ( Guidance document on Epidemiological and clinical studies on Tooth Whitening Products [en]).

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